Tag 16 – Die Konflikte

Frau Kraus ist immer noch sauer. Sie murmelt etwas von mangelnder Arbeitsbereitschaft. Von wem sie da wohl spricht? In ihrem Buch „Ein Roman in 60 Tagen“ weist sie eingehend daraufhin, dass jede Geschichte von Konflikten lebt.

Wer einen Konflikt löst, erzeugt einen neuen, meint sie.

Wo sie das wohl herhat? Kein Wunder, dass sie schlecht gelaunt ist, wenn sie immer Stress hat.

Der Alltag liefert keine hörenswerten Geschichten, meint sie.

Ich denke darüber nach. Eine Geschichte über den Kauf eines Glases Gurken wird erst dann interessant, wenn das Glas zumindest runterfällt und zerbricht. Sobald jemand dazukommt, der auf einer Gurke ausrutscht, gewinnt man Zuhörer. Das sollte möglichst ein bekannter Schauspieler oder Sänger sein, dann kommen Reporter und vielleicht das Fernsehen.

Jetzt hab ich verstanden, was sie meint. Keinen interessiert, wenn ich Gurken kaufe. Noch nicht mal den Bauern, der die Gurken anbaut. Erst wenn seine Gurken in der Nachrichtensendung auftauchen, weil ich so ungeschickt war und es ausgerechnet in dem Moment  fallen gelassen habe, bevor Julia Roberts im Laden aufgetaucht ist, freut er sich. Aber wahrscheinlich nur so lange, bis er dafür vor Gericht erscheinen muss, weil man auf seinen Gurken ausrutschen kann und er nicht ausdrücklich davor gewarnt hat.

Ich glaube, ich streiche besser die Essiggurken von meinem Einkaufszettel. Ich will doch nicht, dass der Gurkenbauer Ärger bekommt.

g 17 – Der Plot

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