Tag 05 – Team Max I

Heute soll ich mich näher mit Max beschäftigen. Wir beide sollen uns richtig gut kennenlernen. Ich soll mir Max Lebensgeschichte ausdenken.

Frau Kraus hat extra einen Rahmen in ihr Buch „Ein Roman in 60 Tagen“ drucken lassen, wo ich ein Bild von Max malen kann. Manchmal habe ich das Gefühl, Frau Kraus will sich bei mir einschmeicheln.

Wie Max aussieht, weiß ich inzwischen. Aber wie ist der Kerl so drauf? Was mag er und was kann er nicht ausstehen? Ich bin dafür, dass er eine Vorliebe für Erdbeeren hat und Erbsen nicht ausstehen kann.

Jetzt stellt mir Frau Kraus entsetzlich viele Fragen zu Max. Langsam bekomme ich das Gefühl sie hat mal für einen Geheimdienst gearbeitet.

„Wo wohnt Max?“, fragt sie. Sie arbeitet bestimmt immer noch beim Bundesnachrichtendienst.

„Das ist leicht“, antworte ich, ohne mir anmerken zu lassen, dass ich jetzt über sie im Bilde bin. „Er wohnt auf einem Bauernhof mit Hofladen und Kuhbriefkasten.“

Sie schreibt alles mit.

„Außerdem mag er Tiere“ fahre ich fort. Dass er im Verlauf des Buches mit ihnen Stress kriegen wird, verrate ich nicht. Ich weiß ja nicht, was Frau Kraus mit den gesammelten Informationen anfangen will.

 

„Was würde Max machen, wenn er eine Millionen gewinnen würde?“, will sie wissen.

Wahrscheinlich will sie wissen, ob er dann die Weltherrschaft an sich reißen will. Aber die Gefahr besteht nicht. Ich muss lächeln.

„Ich denke“, sage ich, „er würde sich wünschen, ein paar Finger mehr zu haben, damit er sich diese große Zahl vorstellen kann. Außerdem würde er Opa Franz fragen, ob das Geld für einen Trecker reicht.“

Dann kommen noch Fragen nach seiner Zahnzusatzversicherung und seinem höchsten Bildungsabschluss. Ich frage mich, ob Frau Kraus ihre Tarnung vergessen hat. In welchem Bilderbuch soll denn bitte eine Zahnzusatzversicherung wichtig sein?

Aber die Befragung ist noch lange nicht zu Ende.

„Welche Ziele hat Max?“, stellt Frau Kraus die wichtigste Frage.

„Ich denke von einem seiner Ziele handelt das Buch“, sage ich. „Er will Flöte spielen lernen.“

Nachdem ich die Blitzausbildung zur Verhörspezialistin absolviert habe, soll ich euch jetzt mitteilen, was ich bisher noch nicht über Max wusste.

Seinen Wunsch nach einem eigenen Trecker hab ich geahnt, aber noch nicht ausformuliert. Aber ich wusste noch nicht, dass Max nicht weiter als bis zehn zählen kann. Von Zwanzig hat er zwar schon gehört, weiß aber nicht wie weit sie von der Zehn weg ist. Die Hundert war die größte Zahl, die er bislang kannte. (Er schreibt zwei Nullen ohne Eins davor und nennt das ganze Hundert.)

Nein. Ich glaub‘ nicht, dass Max eine Gefahr ist. Über dem ganzen Verhör hat Frau Kraus eure Aufgabe für heute vergessen. Was haltet ihr denn davon?

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