Tag 03 – Die Vision

verzweifelter Notenschlüssel

Heute spricht Frau Kraus von der Vision hinter meinem Bilderbuch.

Das ist einfach: In meiner Vision rennen alle Menschen in die nächste Buchhandlung und kaufen mein Bilderbuch.

Fertig!

Was schreibt Frau Kraus in ihrem Buch „Ein Roman in 60 Tagen“ sonst noch?

Ach, sie meint das ganz anders. Sie denkt nicht so stumpf wie ich an den schnöden Erfolg sondern schlägt vor, etwas tiefer zu gehen. Ich soll nicht einfach nur so vor mich hinplappern sondern eine Botschaft unter die Leute bringen. In den Büchern meiner Kindheit hatten Geschichten immer eine Moral. Ohne die Moral war da nichts zu machen. Wenn eine Geschichte mal ohne Moral daherkam, war die Vorleserin wahrscheinlich vertraglich verpflichtet, aus dem Stand eine zu erfinden. Sonst wäre sie wahrscheinlich sofort verhaftet worden.

Mich hat das nie gestört, weil ich damals sehr gut weghören konnte. Die Magie guter Geschichten hatte mich längst in ihre Zauberwelt fortgetragen, wo mich Elfen und Feen vor Moralaposteln schützten.

Später lud ich andere Kinder ein, die Geschichte nachzuspielen oder malte meine Interpretation in meisterhafter Abstraktion. Damals konnte ich alles malen. Ich wünsche mir mein damaliges Selbstvertrauen zurück.

Um Nägeln mit Köpfen zu machen, schlägt Frau Kraus vor, die Quintessenz festzuhalten, in meinen Social Media Account zu stellen und zu fragen, was ihr davon haltet.

Da ein Bilderbuch oft von zwei sehr unterschiedlichen Menschen gelesen wird, finde ich, dass jeder seine eigene Vision bekommen sollte.

Den Kindern möchte ich mitgeben: Du schaffst alles, wenn du regelmäßig übst.

Mit den Erwachsenen bin ich strenger. Denen sage ich: Dein Kind wird nur dann ein Instrument gerne lernen, wenn es das selber will. Dein Wille ist dabei unerheblich. Natürlich kannst du es unterstützen, wenn du mit gutem Beispiel voran gehst und selber ein Instrument spielst. Und besonders gut wird das klappen, wenn ihr gemeinsam Musik macht.

Wann hab ich mich eigentlich in so eine Spielverderberin verwandelt, dass ich so moralinsauer daherkomme?

Vielleicht könnt ihr mir ja helfen, das Ganze freundlicher zu formulieren.

Ihr könnt mir gerne schreiben.

es_ES